ROMANTIK UND ANTIMODERNE
Die Kulturkritik erzählt seit Jean Jacques Rousseau die Geschichte der Menschheit als pathologisch-wuchernde Verlustentwicklung: Folglich entfremdeten sich die Errungenschaften der Moderne im Zuge der Aufklärung vom „natürlichen Ursprung“, der angesichts des grassierenden Verfalls einer Restauration bedürfe. Die Landschaftsmalerei der Frühromantik entwarf ein visuelles Programm, das erstmals und entschieden auf dem Gebiet der Bildenden Kunst den Geist der Rationalisierungsgegner offenbarte. Der Schmerz über einen „Verlust der Mitte“ sollte durch Bildwelten gelindert werden, die in der Natur transzendente Beseelung, harmonisierte Vollkommenheit, ja letztlich das ‚radikal Andere’ entdecken wollten. Inwiefern hierbei jedoch eine streng schulmeisterliche Ästhetik vorgetragen wurde und ein übersteigerter Nationalismus Einzug erhielt, diskutiert das Seminar an konkreten Bildbeispielen aus den drei Stadien der Romantik. Die Lektüre zentraler Texte der Kulturkritik soll die Topoi und Argumentationsstrategien des Antimodernismus zu erhellen helfen. Die Veranstaltung erstreckt sich über zwei Semester und wird mit dem Seminar „Avantgarde und Antimoderne“ im kommenden Sommersemester weitergeführt.
Beginn: 20.10.09
