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DAS SPÄTWERK: VOLLENDUNG, WIEDERHOLUNG, PEINLICHKEIT?

Fach: 
Kunstwissenschaft und Medientheorie
Veranstaltungstyp: 
Seminar
Zeit: 
Donnerstags, 13 – 15.15 Uhr
Ort: 
Raum 112 (Großer Seminarraum)

Kunstgeschichte wird seit Giorgio Vasaris Künstlerviten als Fortschrittsgeschichte erzählt. Das künstlerische Spätwerk erhält im Zuge dessen einen nicht unproblematischen Status: Findet der Künstler im Alter zu Reife, Weisheit und Meisterschaft, oder schlägt sein Werk nicht doch um in Repetition, Konvention oder Affirmation? Wie verhalten sich das Spätwerk, die Kontinuität und das Altern zu frühneuzeitlichen und modernen Kunstparadigmen wie der ‚ersten Idee‘, der Innovation oder dem Traditionsbruch sowie zum Leistungsdenken und dem Jugendkult der Gegenwart? Und wie ist es zu werten, wenn Künstlerinnen und Künstler körperliche oder geistige Gebrechen erleiden, aber dennoch weiter arbeiten oder auch arbeiten lassen? Das Seminar wird den Topoi und Mythen, die Künstlerbio­grafik und Kunstgeschichte bezüglich des Spätwerks hervorgebracht haben, auf den Grund gehen und anhand verschiedener Beispiele seit der frühen Neuzeit (von Botticelli über Tizian, Rembrandt, Picasso, Malewitsch bis zu Spoerri, Lassnig, Bourgeois, Richter u.a.) fragen, welche Karrieremodelle und Rezeptionsmuster sich beobachten lassen. Dabei wird auch zu untersuchen sein, welche Rolle ein Spätwerk überhaupt noch in der so genannten Postmoderne spielt, also nach dem ‚letzten Bild‘, im Zeitalter industrieller und postindustrieller Produktionsverfahren und nach dem vermeintlichen ‚Ende der Geschichte‘. Das Programm mit Referatsthemen wird per E-Mail vor Semesterbeginn verschickt.
Beginn: 15.10.09