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09.02.2012
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Start / Hochschule / Studium / Publikationen / Sonstige Publikationen an der HfG / Rambow – Schule der Plakate

Rambow – Schule der Plakate

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es scheint widersprüchlich, dass im Wirkungsfeld des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG), die den neuen digitalen Medien verpflichtet sind, das traditionelle analoge Medium Plakat eine außerordentliche Wirkungsmächtigkeit in der Lehre und der Praxis der Hochschule entwickeln konnte.
 
Das hat seine Gründe: Mit der Gründung des ZKM und der Hochschule war der Bedarf an Plakatanschlägen für die vielen Symposien, Veranstaltungen, Semesterrundgänge etc. einfach da. Hinzu kamen zahlreiche Anfragen von Institutionen wie etwa amnesty international, regionalen Kultureinrichtungen, Studentenwerk, Kinderschutzbund, Institutionen für politische Bildung, der Wirtschaft und vielen anderen.
Um diese Angebotsfülle und interessante Vielfalt nicht im individuellen Kunst-Eigensinn von Studienanfängern untergehen zu lassen, haben wir beinahe alle Plakataufträge auch als Semester-, Seminar- oder Studienprojekte in die Lehrstruktur aufgenommen. Nichts verließ das Haus, was nicht den Diskussionen der Seminarrunde standhielt - das direkte Echo der Hochschulöffentlichkeit und des ZKM schuf ein zusätzliches kritisches, aber reales Klima für die Arbeit am Plakat.
Exkursionen zu den international tonangebenden Gestaltern, Studios und Hochschulen in Paris, New York, London, Amsterdam, Berlin, Prag und anderswo ermöglichten den Studierenden das Kennenlernen unterschiedlicher Auffassungen, Stile und Unternehmenskonzepte; sie schärften den kritischen Vergleich mit der eigenen Arbeit.
Lehraufträge und Symposien zu den jeweiligen Tendenzen des Designs schufen die Voraussetzung für eigene Standortbestimmungen im Bereich der Visuellen Kommunikation. Denn grundsätzlich spielt das Gestalten von Plakaten innerhalb der riesigen Aufgabenbreite der Gestaltung nur eine marginale Rolle - so ist es auch in der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Aber wie bei den internationalen Designstudios und Gestaltern ist das Plakat so etwas wie die "schönste Nebensache der Welt". Es gibt weltweit nur wenige Gestalter, die von ihrer Plakatarbeit leben können, obwohl gerade in Europa seit Chéret und Toulouse-Lautrec noch nie soviel in die Plakatkommunikation investiert wurde, wie es gegenwärtig geschieht. Aber in Relation zur digitalen und sonstigen medialen Kommunikation bleibt es ein nur geringer Prozentsatz. Dennoch hat die Plakatkunst weltweit eine nachhaltige Infrastruktur. In Polen, Finnland, Frankreich, China, Japan, Korea, USA, Mexiko und Deutschland werden internationale Plakatwettbewerbe und Ausstellungen als Festivals, Biennalen oder Triennalen abgehalten.
Beinahe alle großen Industrienationen betreiben Museen für Gestaltung, und viele Museen pflegen eine lebendige Sammlertätigkeit, die allgemeine Tendenz ist steigend. Häufig haben viele Designer gar nicht soviel Belegexemplare und Porto, um den angeforderten Bedarf zu befriedigen.
Die Studentinnen und Studenten der Karlsruher Hochschule haben seit 1992 für den Wettbewerb "Die 100 besten Plakate" in Berlin und zu einigen internationalen Wettbewerben ihre Plakate eingereicht und bisher etwa hundertzwanzig Prämierungen bekommen. Unter anderem hatte Béla Stetzer 1997 auf "The 5th International Poster Triennial" in Toyama, Japan die Goldmedaille verliehen bekommen. Diese Aktivitäten und Erfolge im Bereich der Plakatgestaltung sind unter allen Designhochschulen der Welt bisher einmalig. All dies hat das Plakat für die Studierenden der Hochschule nicht nur zur "schönsten Nebensache der Welt" gemacht, die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch auf alle anderen Medien übertragen, sind sie doch meistens im Kontext komplexer Designstrategien und Anwendungen entstanden.

Gunter Rambow, 2002

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