Philosophie und Ästhetik
Der Teilfachbereich
Sowohl das Studium der Kunstwissenschaft und Medientheorie als auch das Studium der Praxisfächer an der Hochschule für Gestaltung sehen die Wahl eines Theorienebenfachs vor. Das Fach ‚Philosophie und Ästhetik’ ist an der Hochschule durch zwei Professuren und zwei akademische Mitarbeiter vertreten und bildet durch seine kunstphilosophische, medientheoretische Ausrichtung eine ideale Ergänzung und Erweiterung zum Studium der Kunstwissenschaft. Den Studierenden der Praxisfächer vermittelt es das notwendige intellektuelle Rüstzeug, ohne das Künstler und Designer heute nicht mehr bestehen können. Die Hochschule strebt an, Philosophie und Ästhetik in naher Zukunft auch als Hauptfach studierbar zu machen. Schon jetzt ist es Studierenden der Kunstwissenschaft und Medientheorie möglich, sich schwerpunktmäßig auf Philosophie und Ästhetik zu konzentrieren. Zudem bietet ein Kooperationsvertrag der HfG mit der Universität Karlsruhe | KIT die Möglichkeit, dort ein ergänzendes philosophisches und kulturtheoretisches Lehrangebot wahrzunehmen.
Philosophie als Kunst
Seit es die Philosophie gibt, lebt sie in und von einer gewissen Spannung: Zum einen erhebt sie einen wissenschaftlichen Anspruch auf Wahrheit, die unpersönlich und allgemein gültig sein soll. Zum anderen ist der philosophische Diskurs von Anfang an ein persönlich verankerter Diskurs, der an den Namen seines Autors gebunden ist, wie das Kunstwerk an den Namen des Künstlers. Konstitutiv für die Philosophie ist also eine gewisse Balance zwischen dem persönlich-künstlerischen Anspruch einerseits und dem unpersönlich-wissenschaftlichem Anspruch auf allgemeingültige Wahrheit andererseits – eine Balance, welche die eigentümliche Ambivalenz des Status der Philosophie ausmacht, Kunst und Wissenschaft zugleich zu sein.
Die Verankerung der Philosophie im akademisch-universitären Raum hebt diese Balance fast immer zugunsten einer einseitigen Gewichtung des unpersönlich-wissenschaftlichen Anspruchs auf. Die Philosophie wird dort als eine Wissenschaft unter vielen anderen praktiziert, was nicht zuletzt dazu führt, dass viele wichtige Denker - von Nietzsche über Bataille bis Derrida - in der Landschaft der universitären Philosophie nur schwerlich ihren Ort finden. In den USA sind solche Philosophen im Fach "Comparative Literature" angesiedelt könnten und in das Fach "Philosophy" niemals Eingang finden. In Europa sind diese Grenzen etwas weniger streng gezogen, doch auch hier gilt: Solange die Philosophie an der Universität verortet bleibt, kann sie ihre persönliche, individualistische, kunstorientierte Seite nicht wirklich entfalten.
Die Ansiedlung der Philosophie an einer Kunsthochschule wie der HfG Karlsruhe bietet die Chance, ihren künstlerischen Anspruch institutionell zu verankern und entsprechend zu fördern. Der akademische Kunstraum bietet einen Rahmen, innerhalb dessen man die Möglichkeit ergreifen kann, einen sehr individualisierten und personalisierten philosophischen Diskurs zu führen – und Philosophie als Kunstform sowohl zu analysieren als auch zu praktizieren. Diese Fähigkeiten, die für Künstler, Designer und Theoretiker gleichermaßen von Belang sind, werden im Fachbereich Philosophie und Ästhetik eingeübt, wobei zu beachten ist, dass sich die Philosophie als Kunstform von der Ästhetik als einer klassischen Disziplin der akademischen Philosophie deutlich unterschiedet: Während die Ästhetik eine Theorieform über Kunst darstellt, geht es der Philosophie, insofern sie selbst als Kunstform gesehen und praktiziert wird, darum, die philosophischen Aussagen und Figuren als künstlerische, d.h. als persönliche, individuelle, aber auch strategische und politische zu verstehen.
Professoren:
Prof. Dr. Peter Sloterdijk (Philosophie und Ästhetik)
Prof. Dr. Byung-Chul Han (Philosophie und Medientheorie)
Wissenschaftliche Mitarbeiter:
Dr. Marc Jongen
Barbara Kuon M.A.
